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Hessisches Wirtschaftsarchiv
eine Einrichtung der hessischen Industrie- und Handelskammern
und der Handwerkskammer Rhein-Main


Abt. 22 - Reichsverband Deutscher Mineralbrunnen

Umfang 0,1 lfd. m
Laufzeit 1904 - 1990
Findmittel Datenbank; Findbuch "Kleinere Bestände, Bd. 1"

Geschichte des Bestands

Der Bestand, 0,1 lfd. m (11 Akteneinheiten), wurde 1999 vom Verband Deutscher Mineralbrunnen im Rahmen der Vorarbeiten für die Festschrift abgegeben. Er enthält Bruchstücke der Überlieferung verschiedener deutscher Mineralbrunnenverbände aus der Zeit 1904 - 1990. Die Verzeichnung erfolgte 2005 durch Ulrich Eisenbach.

Geschichte des Verbands

Am 24. Oktober 1904 wurde auf Initiative des Miteigentümers der Rhenser Mineralbrunnen und Präsidenten der IHK Koblenz Carl Meyer der Deutsche Mineralbrunnenverband gegründet. Obwohl der ursprünglich beabsichtigte Zusammenschluss zu einem Verkaufssyndikat scheiterte, einigten sich die in Koblenz anwesenden Vertreter rheinischer Brunnenbetriebe auf einen lockeren Zusammenschluss "zum Schutz gemeinsamer Interessen". Zum Sitz des Verbandes wurde Koblenz bestimmt, dem Vorstand gehörten der Initiator Carl Meyer als erster Vorsitzender sowie Direktor Willing von der Nassau-Selterser Mineralquellen AG in Oberselters, Direktor [Julius] Eylert vom Birresborner Mineralbrunnen und Direktor Häberle vom Überkinger Mineralbrunnen an. Zwei Jahre nach der Gründung gehörten dem Verband 23, überwiegend im Rheinland ansässige Unternehmen an, 1908 war die Zahl bereits auf 34 Mitgliedsunternehmen angewachsen.

Zu den Aufgaben des Verbandes gehörte vor allem die fachliche Beratung der Mitglieder, die Regelung von Verkaufspreisen und Lieferbedingungen, Aushandlung günstigerer Bezugsbedingungen für Glasflaschen und von Sonderfrachttarifen für den Mineralwasserversand. Daneben setzte sich der Verband für den Abschluss einer allgemein verbindlichen Vereinbarung über die Deklaration von Heil- und Mineralwässern ein.

Nachdem die Tätigkeit des Verbandes während des Ersten Weltkriegs weitgehend zum Erliegen gekommen war, kam es am 19./20. Oktober 1917 auf dem Brunnentag in Koblenz zu einer Neugründung des Verbands als "Reichsverband Deutscher Mineralbrunnen" mit Sitz in Köln. Anders als der Deutsche Mineralbrunnenverband nahm die neue Vereinigung nur Mitglieder auf, die einem der inzwischen entstandenen Regionalverbände angehörten.

Seit 1934 wurden im Rahmen der nationalsozialistischen Gleichschaltungspolitik die Aufgaben des Verbands von der Fachgruppe Mineralwasserindustrie bzw. Mineralbrunnen übernommen, während der Verband formal weiterhin bestand. Nachdem die Zahl seiner Mitglieder auf drei gesunken war, entzog ihm jedoch das Amtsgericht Köln zum 18. April 1935 die Rechtsfähigkeit.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde zunächst am 4. Juli 1947 ein Fachverband der Mineralbrunnen für die britische Zone mit Sitz in Bonn gegründet, dessen Vorsitzender der Rechtsanwalt Dr. Otto Wuttke war. Am 17. Februar 1948 folgte die Gründung der Arbeitsgemeinschaft Mineralbrunnen des Vereinigten Wirtschaftsgebiets in Frankfurt a.M., die bereits am 11. August 1948 ihren Namen in "Verband Deutscher Mineralbrunnen" (VDM) änderte. Bereits ein Jahr nach seiner Gründung gehörten dem Verband 157, Ende 1955 bereits 172 Mitglieder an. Zu den bemerkenswerten Leistungen der Verbandstätigkeit gehörte neben der Mitarbeit in der deutschen und europäischen Mineralwassergesetzgebung vor allem die 1969 eingeführte brancheneinheitliche Pfandflasche aus Weißglas, die erst seit Mitte der 1990er Jahre allmählich durch Kunststoffflaschen (PET) im Ein- und Mehrwegsystem abgelöst wurde.

Literatur

Ulrich Eisenbach, Mineralwasser vom Ursprung rein bis heute. Kultur- und Wirtschaftsgeschichte der deutschen Mineralbrunnen. Bonn 2004.

Vom Deutschen Mineralbrunnen-Verband zum Verband Deutscher Mineralbrunnen, in: Der Mineralbrunnen 11/2004, S. 442 - 451.